Sternenkind-Besucherblog

Hier sind Sternenkindmütter gefragt.
Oder auch Sternenkindväter.
Hier ist Platz für ihre Gefühle und Sternenkindgedanken.
Wir freuen uns auf Ihre Zuschrift.

Sternenkind-Besucherblog

Hier sind Sternenkindmütter gefragt.
Oder auch Sternenkindväter.
Hier ist Platz für ihre Gefühle und Sternenkindgedanken.
Wir freuen uns auf Ihre Zuschrift.

Hier ist Platz für Ihren Sternenkindkommentar.

Ein Fehler ist aufgetreten. Bitte versuchen Sie es später noch einmal!

Mein Entrag
Heute, im Loslaufen, denke ich sofort: Ich laufe auf die Liebe zu. Der Grund ist ein einfacher: In Enns, meinem Etappenziel, wird meine Frau auf mich warten. Kurz vor der Stadtgrenze wird sie mich bei einem Campingplatz aufgabeln, da ich schon viel zu viele Kilometer auf dem Tacho habe. Ich laufe auf die Liebe zu. Allein dieser Satz ist wunderbar. Laufen wir doch alle auf die Liebe zu. Und Liebe ist es, die uns in jene fatalen Situationen bringt, über die ich seit Tagen nachdenke und schreibe. Aus Liebe wollen wir mit einem anderen Menschen Kinder bekommen. Der Liebe entsprungen verlassen uns diese Kinder, bevor ihre Füße die Erde berührt haben. Die Liebe ist es, die uns in tiefe Löcher katapultiert. Und die Liebe, meine ich, ist es, die uns daraus befreien kann. Meine Frau und ich haben alle diese Talsohlen unseres gemeinsamen Lebens bewältigen können, mal sehr gut, mal weniger perfekt. Doch eines hat sich nie verändert in all dieser Zeit. Meine Frau ist meine Lebensbegleiterin, die ich aus ganzem Herzen liebe, ja immer geliebt habe. In den letzten Tagen haben mich viele Menschen begleitet, sei es durch das Mitlaufen oder durch abendliche Gespräche. Und oft musste ich hören, dass die Liebe, die zu einem Sternenkind geführt hat, zerbrochen ist. Oft hörte ich von jenen Kompensationen, die sowohl Männer wie Frauen gerne anwenden, um sich von der zerreissenden Last zu befreien, sei es durch exzessiven Sport, durch Alkohol, durch die bedingungslose Hinwendung zur Arbeit und die Ablenkung durch überzogene Hilfsbereitschaft im Freundeskreis. Viele haben alles getan, um nicht zu Hause sein zu müssen, um den Schmerz und die Trauer nicht spüren zu müssen. Und so laufen heute viele Menschen nicht mehr auf die Liebe zu, sondern enttäuscht von dieser davon. Sie wollen nichts mehr wissen von Partnerschaft, zu tief sitzen die Schmerzen. Und während ich heute laufe, wünsche ich all den enttäuschten und verletzten Menschen, sie mögen das Glück haben, wieder darauf zulaufen zu können. Denn nicht einen Menschen habe ich bisher getroffen, der es im Grunde seines Herzens nicht wollen würde. Die Liebe ist der größte Schatz, den wir besitzen können, so viel ist jedenfalls sicher. Das spüre ich an diesem Tag, an dem meine Frau an der Ziellinie der Etappe steht, umso mehr. (Cornelia Hampejs, die mich an diesem Tag rund 9 km begleitet hat, machte diese Aufnahme, als Vera und ich aufeinander zulaufen.)
Rainer "Yuri" Juriatti
Mein kleiner Krümel, Du solltest unser Regenbogen werden, aber du hattest es leider viel zu eilig auf die Welt zu kommen. In dem Moment, in dem du gingst, hast du ein Stück von deinem Vater und mir mit dir genommen. Du fehlst uns unglaublich sehr und wir können es noch nicht fassen, dass du uns verlassen hast.. hoffentlich geht es dir dort, wo du bist, gemeinsam mit deinen beiden Großvätern, gut ❤️ wir lieben dich ❤️
Kim B.
Heute Früh hat mich Vera auf ein Video aufmerksam gemacht. Und ich habe gestaunt. Es handelt sich dabei um ein Lied, dass mich tatsächlich vom ersten Ton an berührt hat. Dazu eben auch ein Video, das die Realität auf eine ganz feine Art wiedergibt. Als ich den Songclip von James Blunt sah, war ich tatsächlich das erste Mal gefesselt. Ansonsten, da möchte ich aufrichtig sein, gelingen Sternenkindlieder ja nicht. Eigentlich nie. Sie werden stets zu sehr von Emotion geleitet, der "professionelle Geist" setzt aus und missachtet das erträgliche Maß – und das kann und ist gefährlich. Weil dann alles in Kitsch abrutscht. Aber James Blunt bringt es unprätentiös auf den Punkt: Die Pläne, aus denen nichts wird, die Liebe, die man dem Kind nie wird zeigen können, bebildert mit der Vorstellung, dass ein kleines Mädchen nun „im Himmel“ durch eine Wiese tanzt. Das Schicksal hatte mit James Blunt wie bei vielen von uns andere Pläne und hat ihn natürlich - eben wie viele andere Betroffene - inspiriert, ein Lied darüber zu schreiben. Aber eben hochprofessionell, alles im rechten Maß. Toll.
Rainer "Yuri" Juriatti
Rückbildungsgymnastik für Sternenkindmütter Anfang 2023 habe ich begonnen für Graz einen Rückbildungskurs für Sternenkindmütter auf die Füße zu stellen. Es war ein harter Weg, mit sehr vielen Rückschlägen. Im Sommer dann habe ich eine Physiotherapeutin mit Erfahrung in der RBG gefunden. Frau Pincus hat sich bereit erklärt so einen Kurs anzubieten. Frau Pincus hat auch an unserer Sternenkindfachtagung im September teilgenommen um noch mehr Aspekte in der Sternenkindthematik zu erfahren. Nun habe ich einen Veranstaltungsraum gesucht. Es scheiterte einige Male an der Raummiete, da wir den Kurs so billig, als möglich anbieten wollten, um allen Mamas dieses Gruppenangebot erschwinglich zu machen. Mit dem Storchennest in Frohnleiten haben wir einen Raum und ein sehr engagiertes Team bzw ein Vorstand angetroffen, der dies sogleich umzusetzen begann. Ich sehe das Angebot als körperliche Unterstützung, aber auch ein Austauschtreffen von Sternenmamas, um das Erlebte aber auch Erfahrungen mit anderen Betroffenen zu teilen. Ich freue mich sehr und darf auf den ersten Termin des Gruppenkurses am 9.2.2024 hin weisen und werde auch persönlich am ersten Treffen teilnehmen.
Vera Graz
Als wir heute in der Früh loslaufen, dampfen die Straßen von den Gewittern der Nacht. An meiner Seite ist Bernhard, mein letzter Wegbegleiter. Das ist schon etwas besonderes. Wir verstehen uns natürlich – wie ich es nun schon oft erleben durfte – auf Anhieb. Ich rede in einer Tour und prompt verlaufen wir uns um viele Kilometer. Anstelle der 10 Kilometer bis zum Etappenteilstück, an dem sich unsere Wege trennen, müssen wir fast 15 Kilometer laufen. Doch am Ende wartet seine Lebensgefährtin Johanna mit einem wunderbaren „Buffet“ von einem Hofbauern. Wir sitzen und essen. Ich erlebe nun auf ganz besondere Weise die Würdigung meines Laufes - mit Essen und Trinken. Ganz oft habe ich in den letzten Wochen hören dürfen, es sei unglaublich, was ich hier mache. Es sei fantastisch, unüberbietbar, grandios, sagen sie. Auf Radwegen haben in den letzten 40 Tagen Dutzende, ja hunderte Menschen „eingebremst“, um mit mir zu sprechen. Manche Menschen sind einige Kilometer mit mir gelaufen, aus Respekt vor der Aktion oder auch, um mir – wie Bernhard heute – ihre Geschichte zu erzählen. Je länger ich unterwegs war, desto mehr wurde mir bestätigt, dass wir in einem Land der Sternenkinder leben, so viele sind betroffen oder kennen jemanden, der betroffen ist. Doch dem nicht genug: In hunderten Zuschriften und Kommentaren – per Mail, WhatsApp, Messenger und offen in Kommentarspalten der sozialen Netzwerke – haben sich unzählig viele Menschen an uns gewandt und Aspekte ihrer Geschichten niedergeschrieben. Darüber hinaus wurden unsere Kommunikationskanäle gesprengt von „Zuseher*innen“, die den gesamten Lauf verfolgten und immer wieder Herzchen verteilten. In Summe: In den Wochen des Laufes begegneten mir im Grunde ausschließlich Menschen, die mich würde- und respektvoll behandelt haben. Dazu zählen auch all die Hotel- und Pensionsbesitzer*innen, die mir gratis Quartier gewährten oder Kellnerinnen, die mich abends im Restaurant nicht bezahlen ließen, da sie von mir gelesen hatten und das „Zeichenhafte“ meines Unterfangens wichtig fanden. Warum zähle ich all das Löbliche auf? Weil ich mir seit Wochen denke: Würde all dieser Respekt, all dieser würdevolle Umgang mit meiner Person – dem Läufer – allen Sternenkindeltern zuteil werden, so lebten wir schlagartig in einer anderen Gesellschaft. Die Menschen, die mir begegneten, haben es bewiesen: Wir sind fähig, über Sternenkinder zu sprechen, auch wenn wir nicht selbst betroffen sind. Sternenkinder – das habe ich gegenüber den wenigen Politikern, die ich auf meinem Weg traf, immer wieder betont – können und sollen Sternenkinder in ihre Gemeinde integrieren, indem sie im Gemeinde- oder Pfarrblatt veranlassen, dass Sternenkinder unter den Sterbefällen genannt werden, sofern die Eltern das wünschen. Das ist nur eine kleine Notiz, die nichts kostet, jedoch riesige Wirkung hätte: Sternenkinder erhalten damit einen Namen, und den Eltern kann vollkommen unspektakulär kondoliert werden, da das Leid und die Trauer öffentlich gemacht worden sind – wie bei jedem anderen Verstorbenen. In meinem Lauf durch Österreich habe ich bei jeder Gelegenheit betont, es geht im Ansinnen unserer Arbeit niemals um die „Erhöhung“ des Sterbens eines Kindes, sondern um das allgemeine Anerkenntnis seines Todes. Würde und Mitgefühl, auch Respekt vor der Leistung, das Leid und die Trauer zu tragen, das muss Sternenkindeltern gesellschaftlich zukommen, um unsere Welt ein kleines Stück humaner zu gestalten.
Rainer "Yuri" Juriatti
Andreas kommt pünktlich zum vereinbarten Treffpunkt. Er ist Marathonläufer und online mit vielen anderen Läuferinnen und Läufern verbunden. So kommen kurz darauf auch Andrea und Nicole dazu. Sie wollen mich heute ein Stück begleiten, vereinbart ist, vom Klagenfurter Strandbad bis Pörtschach gemeinsam zu laufen. „1.200 km für Sternenkinder“ schlägt inzwischen recht hohe Wellen. Und so kommt, bevor wir starten, auch eine engagierte Landesrätin vorbei, um sich mit uns gemeinsam auf ein Foto bannen zu lassen. Sie wird später sehr respektvoll und wertschätzend über die Aktion schreiben. Während wir Klagenfurt verlassen, erzählen die Drei über ihre Motive, den Laufsport zu mögen, berichten von ihren Wettkämpfen und Distanzen. Wir verstehen uns natürlich auf Anhieb, da wir wissen, wovon wir sprechen. Als ich einige Stunden später wieder allein bin, fällt mir die große Parallele zu unseren Freundschaften mit Sternenkindeltern ein: Wir wissen, wovon wir sprechen. Die drei Laufbegeisterten haben mich – so sagte es Andreas einige Male – „aus einem tiefen Bedürfnis heraus“ begleitet. Verstanden haben wir uns auf Anhieb, weil wir diesem Bedürfnis unsere Erfahrungen, das Wissen um Kondition, Muskelkraft und Ausdauer leihen. So sieht Begleitung aus. Sie schlägt mit einem einzigen Herzen. Begleitung heißt, eine Leidenschaft oder ein Leid zu teilen. Sie darf still sein, dafür aber umso treuer und konstanter. Begleitung entspringt der Überzeugung, durch das bescheidene und unprätentiöse „Mitgehen“ Hilfe leisten zu können, um den begleitenden Menschen ein Stück auf seinem Weg durchzutragen. Sie kostet also Kraft, erfordert den selben Einsatz, macht keinen Unterschied zwischen Begleiter und Begleitetem.
Rainer "Yuri" Juriatti
In aller Stille laufe ich los. Es ist noch früh am Morgen, kaum jemand begegnet mir auf den Straßen im idyllischen Ort Mötz. Wenige Minuten nach meinem Start biege ich in den Radweg ein. Ein riesiges Feld öffnet sich vor mir. So wird es fast den ganzen Tag über bleiben. Keine Menschen, weite Felder. In diese Stille laufe ich hinein. Gestern noch waren hunderte Menschen auf den Radwegen des Inntals unterwegs, blieben stehen, sprachen mich an. Heute treffe ich kaum jemanden. Und jene, die mir begegnen, grüßen allesamt nicht zurück. So bleibe auch ich bald still und konzentriere mich darauf, einen angenehmen Laufrhythmus zu finden, da ich weiß, heute einen vollen Marathon absolvieren zu müssen. Vor Jahren, geht es mir durch den Kopf, durfte ich viele Gespräche mit Viktor Frankl, dem Begründer der sogenannten „Sinntherapie“ führen. Eines Tages stand ich dabei vor einer großen Entscheidung, es ging um unsere Sternenkinder. Irgendwie erzählte ich Frankl davon. Er meinte ganz trocken, ich solle drei Tage schweigen. Wer drei Tage schweige, kenne die Antwort auf die schwierigsten Fragen. Heute schweige ich also den ganzen Tag. Irgendwann macht mich meine Frau durch eine Nachricht darauf aufmerksam, wie oft wir in letzter Zeit Menschen danken durften, da sie ein so großes Herz haben und uns durch Nächtigungen und Verpflegung unterstützen. Und während ich also schweige, die Stille wohltuend wirkt, muss ich an die hohe Qualität der Dankbarkeit denken. Auch hier legt Frankl die Denkschiene. Er hat uns beigebracht, dass es Dinge gibt, die vollkommen sinnlos sind. Der Tod eines Babys gehört dazu. Frankl allerdings meint, dass man dem vollkommen Sinnlosen durch eine „Wendung in etwas Positives“ eine Sinnbehaftung des Schicksalsschlags geben könne. Ich bin dankbar, dass ich mit meinem verstorbenen Sohn Pablo – stellvertretend für unsere fünf Sternenkinder – laufen darf. Ich bin dankbar, dass mir so viele nette und herzoffene Menschen begegnen, ich bin dankbar für all jene, denen das Thema „Sternenkinder“ fremd war oder ist und die dennoch sofort und mit großer Selbstverständlichkeit Quartier gewähren und mich sogar oftmals verpflegen. Dankbarkeit ist eine Eigenschaft des Menschseins. Dankbarkeit ist eine Geste des würdevollen Annehmens einer Wohltat. Dankbarkeit ist vielleicht gar der Schlüssel zum Glück. Die Sinnbehaftung des Todes unserer Kinder liegt in jenem Leben, das wir heute leben dürfen: Eines, das in großer Dankbarkeit auf alle Menschen und natürlich auch auf jene zugeht, die die Würde verstorbener Kinder durch ideelle oder gar praktische Unterstützung der Sternenkindhilfe anerkennen. (Bild: Abendstimmung aus der 13. Etage des AC Hotels Innsbruck)
Rainer "Yuri" Juriatti
Heute ist Pablos Tag. Sein Bild wanderte zum 29. Mal vom Schrank auf einen Ehrenplatz, eine Kerze dazu. Vera wird ihn morgen zurück auf den Schrank stellen. Während ich durch die stillen Wälder auf der Pack laufe, frage ich mich: Was würde er heute tun? Mein lebender Sohn ist zwei Jahre älter, liebt Kunst und Kulinarik, ist inzwischen verheiratet und arbeitet als Lateinprofessor. Dass ich heute loslaufen kann, die 1.200 weiten Kilometer vor mir, das verdanke ich zu weiten Teilen ihm. Er hat mich beraten, betreut, sportlich gecoacht und hat mit mir trainiert. Mein Sohn ist fleißig, korrekt, präzise. Er verkörpert Vieles, das ich in weiten Teilen nicht bin. Und dennoch kommt er ganz nach mir. Denn er ist eine treue Seele, konstant in den wesentlichen Fragen des Lebens und er denkt in Bahnen, die mir zutiefst vertraut sind. Ich liebe ihn. Und dann ist da meine Tochter. Zwei Jahre jünger als ihr verstorbener Bruder. Auch sie hat viel von mir. Ihre Abenteuerlust, ihren Wagemut, ihr Fernweh. Kunst und Kreativität sind ihr Leben, kein Wunder, dass sie als Doktorandin in einer Kunstuniversität arbeitet und durch die Welt reist, um Vorträge zu halten. Natürlich: Ich liebe sie. Und so frage ich mich – wie all die Jahre zuvor – was Pablo wohl tun würde? Wie würde sich „der Mittlere“ in diese unsere Familie einfügen? Wäre er – so wie ich es in meiner Familie gewesen bin – jener, der quer zu allen anderen vollkommen ungewöhnliche Wege gegangen wäre? Wir haben zwei Kinder, die geisteswissenschaftliche Studien absolviert haben. Dazu vielleicht der Mittlere, der lieber Maurer geworden wäre? Oder vielleicht wie ich, den Traum der Schauspielerei verwirklicht hätte? Oder gar Tänzer? Oder Werkzeugmacher, Friseur, Taxifahrer, Gärtner? Wie hätte er sich eingefügt? Es bleibt traurige Wahrheit: Wenn ich meinen Sohn denke, denke ich ihn als meinen Sohn. Mehr war er nie. Mehr durfte er nie werden. Manchmal entschuldige ich mich bei ihm, beteuere ihm, es tue mir leid, dass er nur ein Gefangener meines Herzens sein könne. Dass nichts anderes aus ihm hatte werden dürfen, als mein Sohn. Meine lebenden Kinder sind so viel mehr, als nur meine Kinder. Sie sind eigenständige Wesen mit tausend Talenten und Eigenschaften geworden. Pablo durfte das nicht. Er durfte nur Motiv meines Bedauerns, meiner Trauer, meiner Traurigkeit, meiner Wehmut sein. Das ist diesem nur in meinem Herzen gelebten Menschenleben im Grunde nicht würdig.
Rainer "Yuri" Juriatti
09.03.17-22.02.19 DAMIAN Ryan
Nicole Haferburg
Schön war es heute Früh, als ich loslief. Alles so, wie ich es besonders mag: mein Aufwachtempo, mein Bereitsein für den ersten Schritt, meine stillen Minuten, die mir klar machen, warum ich mache, was ich mache, kein Foto, keine Termine, keine Uhr. Nur ich und der Weg. Gestern hat mich mein Sohn Tonio – und zugleich Sport- wie auch Mentalcoach – auch diesbezüglich sehr gut beraten. Ich habe den Spagat zwischen Lauf und Veranstaltungen in den ersten Tagen nämlich kaum geschafft. Ja, ich muss auf mich schauen. Das war dann auch der prägende Gedanke des Tages. Ich muss auf mich schauen und darf dabei vertrauen auf zwei Menschen, die den Lauf Eins zu Eins mit mir laufen: meine liebe Frau und mein Sohn. Sie stehen von morgens bis abends online mit mir in Verbindung. Sie beraten mich, sie organisieren die nächsten Schritte, sie sorgen für die Verbreitung der Videos und Bilder, die ich ihnen zusende. Und: Sie stützen mich psychisch. Es ist eine unfassbar große Herausforderung, die vielen „To-dos“ des Tages abzuspulen und dabei rund 30 bis 35 km pro Tag laufend und walkend hinter mich zu bringen, ohne psychisch dabei rasch auszulaugen. Gestern habe ich über Wegbegleiter geschrieben. Über die Selbstverständlichkeit des Mitgehens. Und dieses Mitgehen löst bei mir große Dankbarkeit aus, da es mich darin bestärkt, auf mich zu schauen und nicht, den Terminen pünktlich nachzukommen. So mag es Sternenkindeltern gehen: Sie brauchen jemanden, der ihnen signalisiert, dass sie nichts müssen, da sie gerade etwas leisten, das kaum ein anderer Mensch leistet. (Wie Viktor Frankl sagt: Leiden zu tragen, das ist eine große Leistung, derer der Mensch fähig ist.) – Und so weiß ich heute: Dank meinen zwei „Co-Läufern“ im Hintergrund kann ich auf mich achten, denn ich renne nicht von Termin zu Termin, sondern renne für Sternenkinder. PS: Meine liebe Frau ist nominiert als „Helferin des Jahres“. Jede Stimme zählt. Bitte voten Sie für sie: https://diesteirerin.at/people/die-helferin-2024/
Rainer "Yuri" Juriatti
Nach einigen Kilometern bereits erreiche ich eine weite Ebene: am Horizont, auf einer Anhöhe, ein riesiges Gebäude. In diesem ist mein Großvater gestorben. Einige Kilometer später sollte ich eigentlich auf einen Radweg abbiegen, entscheide mich jedoch, durch die Dörfer zu laufen. Es sind die meinen. Dörfer, in denen ich Freunde hatte, Dörfer, in denen ich mit Schulkollegen auf der Straße Eishockey gespielt habe, Dörfer, in denen Jugendfreunde und ich schließlich unsere Spuren hinterlassen haben Ich durchkreuze Bludesch. Hier haben wir die Hochzeit gefeiert. Ich durchkreuze den Ort Thüringen, in dessen Musikhauptschule ich viele Elternstunden verbracht habe, weil meine Tochter Chiara dort in die Schule ging; genau gegenüber befindet sich das Standesamt, in dem wir geheiratet haben. Kurz darauf, in Ludesch, treffe ich Corinna, ihre Tanzlehrerin. Und dann, mit Nüziders, erreiche ich mein Heimatdorf: Laufe am Seniorenzentrum, in dem Vera und ich gewirkt haben, an der Sporthauptschule, in der mein Sohn die Grundlagen dessen gelernt hat, die er mir im Coaching nun weitervermittelt hat vorbei und mache schließlich in meinem Elternhaus Halt. Erinnerungen sind es, die unsere Biografien tragen und mit Leben füllen. Erinnerungen sind es, die uns zeitlos begleiten - das ist das entscheidende: Alles wirkt im Moment der Erinnerung, als sei es gestern gewesen. Erinnerungen sind zeitlos. Und so sind es die Erinnerungen an unsere verstorbenen Kinder ebenso. Meine fünf Sternenkinder bleiben an mir haften wie eben jede Erinnerung. Ich kenne jeden verzweifelten Moment, ich kenne jede Träne und jedes Zetern, ich kenne mein Abwenden von der Idee, es gebe einen Gott. Zeitlos bleiben all die Schmerzen, zeitlos bleiben die Erinnerungen an das dunkle Krankenzimmer, an das schmerzvolle Weinen meiner Frau, an meine Gewissheit, dass nur die Liebe uns tragen kann, und niemals ein Mensch oder irgendeine Strategie. Die Biografien meiner Sternenkinder sind festgeschrieben wie all die Gebäude, an denen ich heute vorbeilief oder zu Gast war. (Bild: Im Haus meines Bruders Adrian, der zeit- und fraglos immer an meiner Seite war.)
Rainer "Yuri" Juriatti
Mein Schatz, jeden Tag denke ich an dich😢 Du fehlst mir so sehr. In Liebe, deine Mama
Laura Perner
Mein Entrag
Mein Entrag
Mein Entrag
Gib bitte deine Nachricht ein.
Gib bitte deinen Namen und deine E-Mail-Adresse ein.
Vielen Dank für deinen Eintrag!
Datenschutz ist uns wichtig.
Diese E-Mail Adresse ist uns noch nicht bekannt, deshalb haben wir einen Bestätigungslink geschickt.
Teile die Seite auch mit deinen Freunden:

Impressum | Datenschutz

Impressum | Datenschutz