Impressum | Datenschutz

Weihnachtsgeschichte 2025
19. Dezember 2025 / Rainer Juriatti
Ihre Freude nahm an einem ganz gewöhnlichen Abend ihren Anfang, einem Abend, an dem der Himmel nichts Besonderes versprach und doch etwas Ungewöhnliches in sich trug. In ihren Herzen nämlich zog plötzlich ein Schweif seine stille Bahn. Er leuchtete nicht grell, er schrie auch nicht. Er war einfach da, von einem Augenblick auf den nächsten. Und sie wussten, ohne es einander sagen zu müssen: Jetzt beginnt etwas ganz Besonderes.
Von diesem Abend an war ihr Himmel nicht mehr nur ein Himmel. Beständig durchstreifte ihr ersehnter Schweif den Horizont und zeigte sich immer wieder strahlend und voller Liebe. Manchmal schien es, als verstecke er sich, so, als prüfe er, ob er noch ihre Aufmerksamkeit habe. Und natürlich hatte er bereits ihr ganzes Sinnen. Schließlich hatten sie Platz gemacht für ihn, in ihrem Leben, in ihrem Denken, in ihren Herzen. So ordneten sich ihre Tage neu – ohne dass sie es bewusst beschlossen hätten, stets dieses vage Licht im Auge.
Als es sich wieder einmal versteckte, rieten die Menschen: Klammert euch nicht daran, es kommen noch andere Lichter. Aber sie ließen sich nicht beirren und suchten den Horizont nach ihrem einzigartigen, unverwechselbaren Schweif ab – doch weder verbissen noch besonders heldenhaft, eher wie Menschen, die gelernt hatten, dass Hoffnung ein zartes Geflecht ist, das nur allzu gerne zerbricht. Und dann, eines Nachts, blieb der Schweif gänzlich aus.
So kam es, dass ihre Krippe leer blieb.
Da war keine Weihnacht. Da war kein Märchen. Da war kein Kind. Kein Atemzug. Kein erster Laut. Nur diese unerbittliche Stille, die sich ausbreitete wie ein gefrorener Wind, der sich eisig über die Seele legt. Und während sie noch versuchten zu begreifen, senkte sich plötzlich ein kleines, fast unscheinbares Licht auf sie herab. Nicht hinein in eine Krippe. Nicht gebettet am Ende auf weiche Kissen. Es senkte sich mitten hinein in ihre Herzen.
Und sie begriffen: Ihr Licht, ihr einzigartiges, nur für sie geschaffenes Licht der Liebe war in ihr Leben gekommen, nicht aber auf diese Welt. Das war nicht sein Plan gewesen. Ihr Kind, schien es, war nur dafür gedacht, eine neue Spur zu legen. Sein kurzes Dasein, rein und unbeschwert, ohne Gewicht und ohne Zukunft, hatte seine Bestimmung erfüllt.
Seit diesem Tag sehen sie den Nachthimmel anders. Nicht suchend, nicht darauf hoffend, ihren richtungsweisenden Schweif noch einmal zu entdecken. Einzigartig war er gewesen, unverkennbar, nicht auszutauschen. Und seit dieser Zeit bemerken sie die vielen, die unzähligen Lichter am Himmel, auf denen ihr Kind und mit ihm alle Sternenkinder wohnen. Wissend, dass manche von ihnen nicht kommen, um zu bleiben. Sie kommen, um Herzen zu öffnen. Um uns alle am Ende mit Licht zu füllen.
Impressum | Datenschutz
Impressum | Datenschutz